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† 3.2.2007


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VP-Wachtmeister Waldemar Estel Deutschland












Wir trauern um

VP-Wachtmeister
Waldemar Estel

Thüringen - Deutsche Grenzpolizei - DDR -



Todesursache erschossen
Todestag 3. September 1956
Alter 24 Jahre
Dienstjahre unbekannt
Waffe --



Geboren am 5. Februar 1932, gestorben am 3. September 1956

Ein hellgrüner Mercedes Benz mit spanischem Kennzeichen fuhr am frühen Nachmittag des 3. September 1956 auf der
Fernverkehrsstraße 84 von Rasdorf (Hessen) kommend bis kurz vor die Straßensperre an die DDR-Grenze heran. Ein
Mann entstieg dem Fahrzeug und ging mit einer Landkarte in der Hand über die Grenze auf den Gefreiten der Deutschen
Grenzpolizei Waldemar Estel zu. Er fragte ihn etwaS in einer fremden Sprache. Estel richtete seine MPi auf den Mann
und erklärte ihm, er sei festgenommen. Auf dem Weg zum nahe gelegenen Grenzkommando Buttlar erschoß der Festgenommene
den Grenzpolizisten.

Ort des Zwischenfalls: nahe Buttlar
Todesursache: erschossen

Eine ungewöhnliche deutsch-deutsche Begegnung ereignete sich am 4. September 1956 an der innerdeutschen Grenze.
An der Straßensperre zwischen dem hessischen Rasdorf und dem thüringischen Buttlar trafen mehre Beamte des Zoll,
des Bundesgrenzschutzes, der hessischen Polizei und ein Oberstaatsanwalt aus Fulda mit einem Major der
DDR-Grenzpolizei und dessen Begleitern zusammen.

Der ermittelnde Kommissar Franz Wekwerth aus Fulda notierte, was der Abschnittsleiter der "Ostgrenzpolizei" den
westdeutschen Ermittlern über einen Zwischenfall vom Vortag mitzuteilen hatte. Eine männliche Person war demnach
um kurz nach 15.00 Uhr in den Grenzstreifen gelaufen und sprach dort einen der beiden Volkspolizisten an, die mit
einem Pferdegespann den Grenzstreifen ackerten. Er zeigte ihm eine Landkarte und fragte etwas in einer fremden Sprache.
Später wurde vermutet es sei spanisch gewesen. Der Grenzpolizist, es handelte sich um den Gefreiten Waldemar Estel,
habe den Mann vorläufig festgenommen, da er die DDR-Grenze verletzt hatte. Unterwegs in Richtung Buttlar gab Estel
vier Signalschüsse ab – das bedeutete „Grenzverletzer abholen“ –, damit das Kommando in Buttlar Verstärkung zur
Übernahme des Mannes entsende. Als er sich mit dem Festgenommenen, der vor ihm ging, bereits 400 Meter von der Grenze
entfernt hatte und zwei aus Buttlar anrückenden Grenzpolizisten schon in Sichtweite waren, „habe der Festgenommene den
Polizisten von vorn angefallen, ihn an der Uniform angepackt und ihn mit dem Knie einen Stoß in den Unterleib versetzt.
Dabei habe der Polizist seine Mütze und Waffe (Maschinenpistole) verloren. Zugleich habe der Festgenommene eine Schußwaffe
gezogen und auf den Polizisten insgesamt vier Schüsse abgegeben". Der angeschossene Gefreite Waldemar Estel habe sich
noch einige Meter vom Tatort weggeschleppt und sei dann den Folgen seiner Verletzungen erlegen. Der Schütze floh in
Richtung Grenze zurück. Er wurde von mehreren Grenzern unter Feuer genommen, worauf er zurück schoß. Hinter der Grenze
hätten drei weitere Männer gewartet und ebenfalls auf die DDR-Polzisten geschossen. Die vier seien dann mit einem auf
der nahe gelegenen Straße geparkten Mercedes geflüchtet. Wie sich später herausstellte, war es nur ein Mann, der beim
Fahrzeug gewartet hatte. Ob er auch geschossen hat, konnte nicht bewiesen werden.

Kommissar Wekwerth teilte am 7. September 1956 per Fernschreiben dem Landeskriminalamt Hessen mit, der Verdacht, daß es
sich bei dem Mörder Estels um einen ehemaligen Soldaten der "Blauen Division" gehandelt habe, die in Deutschland ein
Treffen durchführten, habe sich nicht bestätigt. Am 11. September 1956 schrieb er an den Oberstaatsanwalt beim Landgericht
Fulda: "Die eventuell bestehende Meinung, der Tat könne ein politisches Motiv zugrunde liegen, muß entgegengetreten werden.
Es kann kein politisches Motiv dafür bestehen oder Anerkennung finden, einen deutschen Volkspolizisten zu erschießen.
Dieses um so mehr, als es sich bei den Tätern und Ausländer handeln dürfte."

Die zeitgenössische DDR-Presse machte die „Bonner Regierung“ für Estels Tod verantwortlich. Die FDJ-Zeitung „Die Junge Welt“
schrieb 1982 anläßlich des 50. Geburtstages von Waldemar Estel unter der Überschrift "Ein Held unserer Zeit", Waldemar Estel
sei „im Frieden für den Frieden als Verteidiger unserer sozialistischen Heimat“ gestorben. „Bis zum letzten Atemzug blieb
er unserer sozialistischen Sache treu. Revolutionäres Heldentum ist nicht an Zeiten gebunden, sondern an Taten.“ In Buttlar
wurde am 3. September 1982 „zum Gedenken an den ermordeten Gefreiten der Grenztruppen eine vom Bildhauer Ehrenfried
Rottenbach geschaffene Stele enthüllt“.

Bei dem Todesschützen handelte es sich tatsächlich um einen spanischen Staatsbürger. Die Fahndung der westdeutschen
Polizei nach ihm blieb 1956 erfolglos, da er bereits am Tag des Zwischenfalls mit zwei Begleitern nach Frankreich
weiter gereist war. Nach der Wiedervereinigung brachten erneute Ermittlungen durch Interpol zutage, daß der Eigentümer
des Mercedes Benz, der 1956 nach der Schießerei an der innerdeutschen Grenze davon fuhr, ein Leutnant der spanischen
Luftwaffe namens Antonio de la Lastra Rueda war, der noch lebte und in Madrid wohnte. Laut Auskunft von Interpol Madrid
führten de la Lastra Rueda und sein Begleiter seit 1950 Waffen, sie standen im Rang von Obersten der Luftwaffe. Es sei
nicht bekannt, ob gegen sie seinerzeit ein spanisches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.
(Recherchen: AN, MK, MP, jos.; Autor: jos.)

Quellen:
http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Opfer_des_DDR-Grenzregimes/Todesfaelle-im-Grenzdien/Estel_Waldemar/index.html
Deutschland




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Holger Østergaard-Nielsen
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